Residency 4 - Frühjahr 2023
STRWÜÜ — Jo Wanneng & Lukas Fütterer
„Einatmen. Langsam. Ausatmen. Tief. Bis die Lunge ganz leer ist. Wieder einatmen, so fest, als wäre es das allererste Mal — das Geräusch des Meeres hier, kurz vor der Dämmerung.“

Becoming Stone
Mit ihren speziesübergreifenden Organismen bricht das Künstler:innenduo STRWÜÜ mit den vermeintlich geradlinigen Grenzen zwischen lebendigen und leblosen Subjekten und bringt damit die dualistische Vorstellungen von Natur und Kultur, Mensch und Technik ins Wanken.
Der Protagonist ihrer neuesten Arbeit ist ein Findling aus Glenkeen Garden. Als einer von zahlreichen Felsbrocken prägte und strukturierte er die irische Landschaft. Im Zuge der menschlichen Aneignung und Kultivierung des Bodens wurden Steine dieser Art an Feldrändern zu ab- und eingrenzenden Mauern getürmt. Seit Jahrhunderten markieren sie ebenfalls privatisiertes Land oder Nationalstaaten — Grenzarchitekturen, die ähnlich wie Biomembranen funktionieren. Beides sind semipermeable Filter, die nur bestimmten Substanzen oder Subjekten Einlass gewähren.
Heute bedarf es komplexerer Systeme: Satelliten, die den allumfassenden Blick von ganz oben erlauben. Die robotischen Arme spüren diese jedoch auf und versteinern in dem Moment, in dem sie selbst sichtbar werden. Sie verweigern die Beobachtung. Sobald die robotischen Arme wieder außerhalb des Satellitenblickfeldes sind, führen sie das Kratzen auf der Oberfläche des Findlings fort.

STRWÜÜ, Die Melancholie der bricolagen Ausdifferenzierung der postneolithischen Larve, 2024

STRWÜÜ, Die Melancholie der bricolagen Ausdifferenzierung der postneolithischen Larve, 2024

Die Melancholie der bricolagen Ausdifferenzierung der postneolithischen Larve, 2024, Installation: Felsbrocken, Metall, Holz, Microcomputer, Motoren, Abmessungen variabel, Foto: Jens Gerber




