Residency 9 - Herbst 2025
Elise Eeraerts & Roberto Aparicio Ronda
„Draußen erstreckt sich das Moor in alle Richtungen, weich und braun und endlos. Manchmal, wenn ich da draußen stehe, blicke ich zurück zu unserer Behausung und be-greife, dass sie ein Teil des Bodens selbst ist, dass die Erde sie eines Tages zurückfordern wird.“

Refuge and Fortune
Seit 2012 entwickeln Elise Eeraerts und Roberto Aparicio Ronda eine multidisziplinäre Praxis an der Schnittstelle von Kunst und Architektur, in der Ortsbezogenheit und materielle Transformation im Zentrum stehen und Erde als ursprünglichstes Material eine Schlüsselrolle spielt. In keltischen Überlieferungen ist von „thin places“ die Rede, von durchlässigen Orten, an denen die Membran zwischen dieser Welt und der Anderswelt am dünnsten ist. Moore zählen seit jeher dazu – weder Land noch Wasser, weich, schwammig, torfreich.
Während ihrer Residenz suchten die beiden Künstler:innen Menschen auf, die ihr Leben in den Mooren verbringen, ohne Strom, Wasser, Gas und Kanalisation. Dokumentiert mit bewusst verzerrten Stimmen, schildern sie eine Welt, in der sich die Natur immer wieder durchsetzt: das Erwachen in einem Wohnwagen, so kalt, dass „einem die Nieren wehtun“, Wasser, das durch den Boden dringt, ein Blechdach, das der Wind davonreißt – und ebenso echtes Staunen und Dankbarkeit. Ihre Geschichten entfalten sich neben Nahaufnahmen der Moorflora, Drohnenaufnahmen und 3D-Scans der Landschaft. In den skulpturalen Installationen kehren Fragmente und Umdeutungen der Behausungen in den Raum zurück, ähnlich verzerrt wie die Stimmen.

Refuge and Fortune, 2026, Installation, zwei einkanalige Videos, Farbe, jeweils 2-Kanal-Tonspur, Keramik, Pflanzen, Licht, Voice: Kathy Crockett, Brian Lalor, Foto: Jens Gerber

Refuge and Fortune, 2026
